Aserbaidschan und Georgien beschleunigen den Zugverkehr an der Grenze: Was sich für den Mittleren Korridor ändert

Der Mittlere Korridor steht wieder im Fokus. An der Grenze zwischen Aserbaidschan und Georgien, am Bahnhof Böyük Kəsik, wurde die Abfertigung der Züge neu geregelt – eine technische Kleinigkeit, die die gesamte Route zwischen Asien und Europa beschleunigen kann.

Der Grund für das Interesse am Korridor liegt auf der Hand. Die nördliche Route ist durch Sanktionen eingeschränkt, die südliche wird wegen der Kriegsrisiken für die Schifffahrt gemieden. Deshalb richten Verlader ihren Blick zunehmend auf den Weg über den Südkaukasus.

Die Eisenbahnverwaltungen Aserbaidschans und Georgiens haben vereinbart, dass die Elektroloks der ADY künftig auf der Strecke Böyük Kəsik - Tiflis - Böyük Kəsik verkehren, ohne dass die Züge unterwegs abgekuppelt werden. Bisher wurden die Waggons zweimal kontrolliert: am aserbaidschanischen Bahnhof Böyük Kəsik und erneut am georgischen Bahnhof Gardabani. Jetzt reicht eine Kontrolle. In Richtung Aserbaidschan–Georgien findet sie in Böyük Kəsik statt, in die Gegenrichtung am Knotenbahnhof in Tiflis.

Das neue Verfahren wurde bereits getestet. Nach vorliegenden Angaben funktioniert es.

Außerdem digitalisieren beide Länder den Datenaustausch über Züge und Fracht, auch auf Zollebene. In der Logistik ist das längst genauso wichtig wie Schienen und Lokomotiven: Wie schnell eine Route ist, hängt zunehmend davon ab, wie schnell Staaten Informationen austauschen.

Die Zahlen bestätigen das. 2019 wurden auf dem Mittleren Korridor rund 759.000 Tonnen Fracht transportiert, 2025 waren es bereits 4,119 Millionen Tonnen – mehr als das Fünffache in sechs Jahren.

Ähnlich sieht es bei der Eisenbahnstrecke Baku–Tiflis–Kars aus. Auf dem georgischen Abschnitt (184 km) wurden 13 Bahnhöfe, 55 Brücken, 8 Traktionsunterwerke sowie über 320 Gebäude und Anlagen modernisiert; zudem kamen mehr als 30 km neue Gleise hinzu. Einen Teil dieser Arbeiten auf georgischem Gebiet hat Aserbaidschan finanziert. Die Kapazität der Strecke stieg dadurch von 1 auf 5 Millionen Tonnen pro Jahr - eine Verfünffachung.

In Alyat entsteht einer der modernsten Häfen am Kaspischen Meer, und in der dortigen Freihandelszone ist perspektivisch auch ein Frachtflughafen geplant.

Früher galt die günstige geografische Lage als größter Trumpf Aserbaidschans. Heute zählt etwas anderes: Das Land investiert in Infrastruktur und beseitigt Engpässe entlang der Route, und zwar nicht nur auf eigenem Territorium, sondern auch im Ausland, wie das Beispiel des georgischen BTK-Abschnitts zeigt.

Davon profitieren am Ende alle: Verlader aus Kasachstan und Usbekistan, europäische Importeure und nicht zuletzt Georgien selbst, das eine modernere Bahnstrecke erhält. Die Vereinbarung am Bahnhof Böyük Kəsik wirkt wie ein kleiner Schritt. Aber genau aus solchen Schritten entsteht eine Route, die mit den üblichen Verbindungen zwischen Asien und Europa konkurrieren kann.

Alfred Martin
Über den Autor Alfred Martin Strategic Logistics Advisor

Über 25 Jahre Erfahrung in internationaler Logistik, Straßentransport und Luftfracht bei der MARTIN Internationale Spedition GmbH.

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